Editorial
In der Berner Altstadt zu wohnen ist ein Privileg. Sie ist nicht nur wunderschön anzuschauen; sie hat auch ihre eigenen Töne. Am liebsten mag ich den frühen Morgen, wenn das Gurgeln vom Stadtbach nur selten gestört wird vom Holpern der Rollkoffer und dem Scheppern des Busses.
Später am Tag wird’s lauter: Das Stimm- und Sprachengewirr der Touristengruppen verschlägt’s an den Hauswänden, Kleinkinder im Trotzalter erproben die Resonanzkraft der Lauben, Strassenmusikanten benützen die Laubenbögen als Tribüne. Und nachts lassen stimmgewaltige Anhänger von Fussball- oder Hockey-Mannschaften uns teilhaben an ihrem Frust oder ihrer Freude – manchmal beides gleichzeitig.
Es gibt keinen schöneren Ort um Töne zu produzieren als die Berner Altstadt; nur hier kann Strassenmusik zum Festival werden. Danke allen, die das möglich machen, danke Ihnen, die ihren Obulus entrichten. Nicht vergessen: Bändeli und Hutgeld gehören dazu!
Veronica Schaller
